Albrechtshainer Widerstand gegen den Faschismus

Die Dr.-Margarete-Blank-Gedenkstätte Panitzsch e.V lädt ein Gesprächsrunde mit

Werner Billwitz und Dr. Volker Hölzer

WIR HABEN NOCH ETWAS ZU SAGEN

Albrechtshainer Widerstand gegen den Faschismus

Die Autoren begeben sich auf bisher unbekannte Spuren des Widerstandes

Am 18.09.2020 von 16-18 Uhr im Garten der Gedenkstätte; Dr-Margarete-Blank-Str. 9.

UNTRAGBARE ÄUSSERUNGEN DES AMTIERENDEN GESCHÄFTSFÜHRERS DER STIFTUNG SÄCHSISCHE GEDENKSTÄTTEN MÜSSEN KONSEQUENZEN HABEN

Auch wir als Dr.-Margarete-Blank-Gedenkstätte Panitzsch e. V. und Mitglied der sLAG schließen uns vollumfänglich dem Statement an, und möchten es Euch nicht vorenthalten:

Der Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, Siegfried Reiprich, äußerte sich jüngst auf seinem privaten Twitter-Account zu tagesaktuellen Geschehnissen in einer Weise, die dieses Amtes nicht angemessen ist. In einem Tweet vom 29. Juni 2020 rückte Reiprich die Randale in Stuttgart in die Nähe der antisemitischen Novemberpogrome von 1938, in dem er die Ausschreitungen als „Bundeskristallnacht“ bezeichnete. Am Tag darauf verbreitete er die rassistische Behauptung, dass Weiße in Europa bald einer Minderheit angehören würden. Bereits in der Vergangenheit ist Reiprich mit Tweets ähnlicher Stoßrichtung negativ aufgefallen. Uwe Hirschfeld, Sprecher der sLAG und Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, macht deutlich: „Diese Äußerungen sind untragbar. Der Vergleich der Stuttgarter Ausschreitungen mit den staatlich organisierten und gelenkten Novemberpogromen, bei denen 800 Jüdinnen und Juden starben, 30.000 in Konzentrationslager gesperrt und über 1.400 Synagogen, Wohnungen und jüdischen Friedhöfe zerstört wurden, ist in hohem Maße geschichtsvergessen und relativiert die Verbrechen des NS-Regimes. Als Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten ist es die Aufgabe von Herrn Reiprich, das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus aufrecht zu erhalten. Jemand, der nicht nur mit fragwürdigen Vergleichen argumentiert, sondern durch das Verbreiten rassistischer Versatzstücke von einer künftigen angeblichen „weißen Minderheit“ rechte Diskurse stärkt, ist dieses Amtes nicht würdig.“ Josephine Ulbricht, Sprecherin der sLAG und Mitarbeiterin der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig erklärt dazu: „Die Äußerungen des Geschäftsführers der Stiftung Sächsische Gedenkstätten sind ein Affront gegenüber allen, die sich tagtäglich mit ihrer Arbeit in Gedenkstätten und in der historisch-politischen Bildung – sei es beruflich oder ehrenamtlich – gegen Rassismus, Antisemitismus und für demokratische Werte einsetzen. Er beschädigt damit das Ansehen der Stiftung und der Gedenkstätten in Sachsen. Den Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und ihren Nachfahren, die uns in unseren Einrichtungen besuchen, sind solche beschämenden Aussagen nicht zu vermitteln.“ Angesichts wiederholter Entgleisungen fordern die sLAG, das FORUM der Landesarbeitsgemeinschaften,der Gedenkstätten, Erinnerungsorte und -initiativen in Deutschland sowie die AG der KZ-Gedenkstätten in der Bundesrepublik Deutschland die Gremien der Stiftung Sächsische Gedenkstätten sowie die politisch zuständigen Entscheidungsträger*innen zu einer erklärenden Stellungnahme und zu personellen Konsequenzen auf.

Daniela Schmohl, Josephine Ulbricht, Uwe Hirschfeld
Sprecher*innen
sLAG – sächsische Landesarbeitsgemeinschaft Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus

Dr. Rainer Stommer, Dr. Harald Schmid, Kirsten John-Stucke, Andreas Ehresmann
Sprecher*innen
FORUM der Landesarbeitsgemeinschaften, der Gedenkstätten, Erinnerungsorte und -initiativen in Deutschland

Dr. Jens-Christian Wagner
Sprecher
AG der KZ-Gedenkstätten in der Bundesrepublik Deutschland

75. Jahrestag der Befreiung

Zum 75. Jahrestag der Befreiung wurde an vielerlei Orten gedacht – Wer nicht feiert, hat schon verloren! Niemals Vergeben! Niemals Vergessen! #8Mai #8Mai1945 #8Mai2020 #8mai45 #befreiung75 #Befreiung #Leipzig #NieWieder #vvnbda ‬

Neues Konto Dr.-Margarete-Blank-Gedenkstätte Panitzsch e. V.

Liebe Freunde,

ab heute haben wir auch ein Vereinskonto bei der Sparkasse Leipzig, (24 EUR, 12 EUR ermäßigt), wo wir uns über euren Support (Mitgliedschaft / Spenden) freuen würden zur Förderung der antifaschistischen Gedenkstätte Margarete Blank in Panitzsch bei Borsdorf.

Kontoverbindung:

Dr.-Margarete-Blank-Gedenkstätte Panitzsch e. V.
IBAN: DE72 8605 5592 1090 2381 73
BIC-/SWIFT-Code: WELADE8LXXX

Kontakt: kontakt@margarete-blank-gedenkstaette.com

Eure

Dr.-Margarete-Blank-Gedenkstätte Panitzsch e. V.

 

LVZ Bericht: Das Fräulein Doktor und der Justizmord von Dresden

Die Luftangriffe auf Dresden brachten Tod und Verwüstung. Was viele nicht wissen: Die zwischen dem 13. und 15. Februar 1945 niedergegangenen Bomben retteten aber auch manches Leben – das von politisch Gefangenen. Nicht so das von Margarete Blank. Die Ärztin aus Panitzsch bei Wurzen starb am 8. Februar unter dem Fallbeil.

Am heutigen 27. Januar ist Tag der Opfer des Hitlerfaschismus. Auf den Tag genau vor 75 Jahren wurde das KZ Auschwitz befreit. Zu der Zeit saß Margarete Blank noch immer in der Haftanstalt des Dresdener Landgerichts und wartete auf die Vollstreckung ihres Todesurteils. Die in der Dresdener Südvorstadt gelegene Trutzburg gehört heute zum Campus der TU Dresden. Hunderte Studenten gehen täglich ein und aus. Ein separater Eingang führt in eine kleine Gedenkstätte. Von dort aus gelangt der Besucher auf den ehemaligen Richthof.

Zwischen 1933 und 1945 wurden hier 1330 Menschen enthauptet. Meist morgens oder abends, wenn im Gericht nichts los war. Ein Denkmal von Künstler Arnd Wittig aus dem Jahre 1962 zeigt Widerstandskämpfer im Angesicht ihrer bevorstehenden Hinrichtung. Es heißt, der ursprünglich vorgesehene Entwurf von 1959 habe noch einmal überarbeitet werden müssen. Da sich unter den durchweg männlichen Figuren nur eine einzige Frau befand – und die auch noch trauerte(!) – sollte unbedingt eine standhafte Kämpferin her. Die dann auch kam.

Gedenkstättenleiterin Birgit Sack spricht nicht unkritisch vom „staatsoffiziellen Geschichtsbild“ der DDR. Sie hat eine Broschüre über Margarete Blank verfasst. Darin schreibt sie von der „antifaschistischen Widerstandskämpferin“ und der „Vorkämpferin des sozialistischen Gesundheitswesens“, als solche Blank lange Zeit vereinnahmt worden sei. Tatsächlich, so Sack, sei Blank keine politische Widerstandskämpferin gewesen. Vielmehr habe sie ein aufrechtes Leben gelebt und ihre Würde bis zu ihrem Tod bewahrt. Das Blutdruck-Messgerät der Ärztin ist in einer Vitrine zu sehen.

Kleines Fräulein Doktor, so nannten die Panitzscher einst ihre Ärztin. Zwar begegneten sie ihr, der aus Russland Zugereisten, anfänglich eher distanziert. Doch schätzten sie ihre Arbeit. Rund um die Uhr war die alleinstehende Frau, die ein abgelegenes Holzhaus bewohnte, für ihre Patienten da. Am 14. Juli 1944 wurde Margarete Blank von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) festgenommen. Sie sei eine bolschewistische Spionin und Agentin, lautete der Vorwurf.

Zwar verweigerte sie den Hitlergruß, behandelte auch Nicht-Deutsche und schrieb Soldaten „frontuntauglich“ – doch was steckte wirklich hinter dem Zugriff? Die Fakten sind nicht neu: Blank umsorgte mit Erfolg die fünf an Keuchhusten erkrankten Kinder des Borsdorfer Oberstabsarztes Werner Benne. Der war zu dem Zeitpunkt in Russland an der Front. Während eines Heimaturlaubs zeigte er seine Panitzscher Kollegin an. Sie habe sich gegenüber seiner Frau russlandfreundlich geäußert.

Darüber hatte Erika Benne ihren Mann zuvor brieflich informiert. Dabei wollte Blank die ihr im Arztzimmer gegenüber sitzende Frau wohl nur beruhigen. Der Krieg sei bald vorbei, man müsse sich vor den Russen nicht fürchten, soll sie sinngemäß gesagt haben. Niemand weiß genau, welche Worte wirklich fielen. Fest steht: Ihre Offenheit wurde Blank zum Verhängnis. Im Dresdener Landgericht machte man ihr den Prozess: Am 15. Dezember wurde sie zum Tode verurteilt. Damit, das geht aus den Unterlagen hervor, hatte sie nie gerechnet.

Am Morgen des 8. Februar teilte man ihr mit, dass das Gnadengesuch abgelehnt ist und sie hingerichtet werde. An ihren um einiges älteren Bruder Herbert durfte sie noch einen Abschiedsbrief schreiben. Darin bedankte sie sich für dessen freundliche Unterstützung in ihrer Studienzeit und bat ihn um Entschuldigung, dass sie manchmal zu wenig Zeit für die Familie hatte: „Die Pflicht gegen meine Kranken ging mir vor.“ Gegen 18 Uhr wurde sie getötet – zusammen mit einem Dutzend Männer.

„Es waren in Dresden die letzten Gefangenen, die in der Nazizeit unter der Guillotine starben“, sagt die Gedenkstättenleiterin. Nach den Bombardierungen seien vor allem Plünderer im Hof erschossen worden. Dagegen sei es zu Tode verurteilten politischen Häftlingen mitunter gelungen, das allgemein herrschende Chaos zur Flucht zu nutzen. Als Beispiel nennt sie zwei tschechische Gefangene, die zusammen mit dem deutschen Arzt Fritz Gietzelt über Meißen türmten.

Blanks gewaltsamer Tod werfe ein Schlaglicht auf das in der NS-Zeit weit verbreitete Denunziantentum und die Menschen verachtende sogenannte „Rechtssprechung eines Regimes, das jede Kritik an Staat und Partei mit drakonischen Strafen bis hin zum staatlich sanktionierten Justizmord ahndete“, sagt Birgit Sack. Darin stimmt ihr der Leipziger Osteuropa-Historiker Volker Hölzer zu. Er bezeichnet Margarete Blank dennoch als Widerstandskämpferin, weil es dafür auch Belege gebe. So versteckte sie in ihrem Haus nachweislich Bilder des kommunistischen Malers Alfred Frank, ist Hölzer überzeugt. Außerdem habe sie freundschaftliche Kontakte zu Georg und Rosemarie Sacke und damit Beziehungen zu aktiven Widerstandsgruppierungen unterhalten. Desweiteren soll sie Kriegsgefangene medizinisch betreut haben, so Hölzer. Er wisse um die Argumentation der Gedenkstättenleiterin und schätze sie auch: „Hier gibt es je nach Aktenlage zwei unterschiedliche wissenschaftliche Einordnungen. Das ist durchaus normal.“

Werner Benne blieb nach Angaben von Birgit Sack im Krieg. Erika Benne und Frieda Schnabel, letztere war Leiterin der NS-Frauenschaft in Panitzsch, wurden nach 1945 zu Haftstrafen verurteilt – als „Beihelfer bei der Begehung eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit“. Fiel die Berichterstattung in der Presse seinerzeit tendenziös aus, wurden Prozessverlauf und Urteil in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Die Zweenfurtherin Petra Lau widmete sich dagegen der Rolle von „Blanks Todesrichter“, Heinrich von Zeschau: „1962 wurde er in Ulm mit vollen Pensionsbezügen in Ruhestand versetzt.“

von
       Haig Latchinian

 

75. Jahrestag der Ermordung Dr. Margarete Blanks durch die Nationalsozialisten

Wir ehren am 75. Jahrestag der Ermordung durch die Nationalsozialisten die
engagierte Ärztin, Christin und Humanistin Margarete Viktoria Blank. Sie leistete gegenüber dem verbrecherischen, unmenschlichen System des Nationalsozialismus Widerstand und bewies damit großen Mut und tiefe Menschlichkeit.

Der Dr. Margarete-Blank-Verein Panitzsch lud zu Gedenkveranstaltungen ein:

am 07.02 um 15 Uhr Ehrenhain Südfriedhof Leipzig
am 08.02. um 10 Uhr Gedenkstein für Margarete Blank in Panitzsch

im Anschluss sprachen wir in unserer Baustelle im Blankhaus bei einem Gas Tee über unseren Verein und die Sanierung des Hauses mit allen interessierten Bürgern.

 

Erinnern heißt kämpfen!

#Gedenken: Unter dem Motto Erinnern heißt kämpfen! führt heute der VVN-BdA Leipzig e. V. in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen e.V. eine Gedenkveranstaltung und Exkursion am Ehrenhain des Südfriedhofs, Friedhofsweg 3, in Leipzig und an der Gedenkstätte Münchner Platz Dresden, Münchner Platz 3, in Dresden durch.
Nach dem stillen Gedenken, um 10:30 Uhr, an den Gräbern auf dem Ehrenhain des Südfriedhofs Leipzig werden wir gemeinsam nach Dresden in die heutige Gedenkstätte Münchner Platz fahren, um an einer Führung vor Ort teilzunehmen.
Hintergrund: Am 11./12. Januar 1945 wurden in der Hinrichtungsstätte am Münchner Platz in Dresden elf Mitglieder einer Leipziger antifaschistischen Widerstandsgruppe ermordet. Die Gruppe um Georg Schumann, Otto Engert und Kurt Kresse hatte sich seit 1943 neu organisiert. Im Sommer 1944 wurden zahlreiche Mitglieder des aktiven Widerstandes in Leipzig verhaftet, schwer misshandelt und verurteilt. Die Todesurteile wurden im Januar 1945 vollstreckt.

Pressemitteilung

Am 06.11.2019 erfolgte im Bürgerhaus Zweenfurth die Gründung des Vereins „Dr.-Margarete-Blank- Gedenkstätte Panitzsch“. Einstimmig wurden in den Vorstand gewählt: Dr. Petra Lau (Vorsitzende), Lars Klaus Aßhauer (Stellvertreter), Bettina Wistuba (Schatzmeisterin), Florian Krahmer und Hubert Hübner (Beisitzer). In der Diskussion betonten die Teilnehmer der Wahlveranstaltung die Notwendigkeit eines eigenständigen Vereins für die Tätigkeit im ehemaligen Wohnhaus der von den Nationalsozialisten ermordeten Ärztin Margarete Blank. Seit 1995 hatte der Förderverein unter Leitung von Charlotte Zeitschel das Haus in Pacht und nutzte es entsprechend der Schenkungsbedingungen von 1959 als Stätte der Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur und als Begegnungsstätte der Generationen aus dem In- und Ausland. Im Laufe der Zeit wurden die Aufgaben der Gedenkstätte in Panitzsch und die ebenfalls unter dem Dach des Fördervereins gegründete Gedenkstätte für Zwangsarbeit in Leipzig immer spezifischer und auch wegen der räumlichen Entfernung war die Zusammenarbeit gering. Mit der erfolgten Vereinsgründung und dem möglichen Erhalt der Gemeinnützigkeit hoffen wir auf Fördermöglichkeiten, die für den Erhalt des 1929 gebauten Holzhauses dringend geboten sind. Die mit Unterstützung der Gemeinde begonnene Sanierung des gesamten Hauses wird fortgesetzt. Im Mittelpunkt wird die Neugestaltung der Ausstellung stehen. Das Wohnhaus von Margarete Blank wird so als Gedenk- und Begegnungsstätte das Vermächtnis der Ärztin, Humanistin und Christin bewahren.